Der Tag ist gekommen. Frei-Tag. Ein weiteres Mal bis an den 24Stunden-Rand gefüllt mit neuen Musiken auf allen Kanälen. Überblick? Rundumblick? Einblick? Wir nicht. Also, ein weiteres Mal das gewohnte Spiel – wir nehmen, dass was uns gefällt und mehr (oder weniger) unseren Weg kreuzte. Genug ist genug.
Hiatus Kaiyote. Die Stars gleich zum Einstieg. Das Quartett lädt ein. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Frei-Fahrt im „Mood Valiant“ als das sicher heißeste Ticket des heutigen Tages. Stilistisch nicht zu fassen, Erläuterungen führen in die Irre, da Nai, und ihre Kumpane, festgefahrene Begriffe und starre Gleise mit jedem ihrer Takte pulverisieren und stattdessen ihre eigenen Duftmarken setzen. Und zwar mit aller Deutlichkeit. Hiatus Kaiyote bleibt Hiatus Kaiyote. Auch nach 6-jähriger Pause und der Bewältigung manch‘ existentieller Lebenslagen. erscheinen lassen. Selbstredend erfindet die Band die Pop-Musik nicht neu. Aber die Fähigkeit die losen Enden aus RnB-Hop-Jazz-Soul-Pop-Prog-Etc immer wieder frisch und unverblümt zu verknoten ist genau das, worauf es ankommt. Und die Zusammenarbeit mit Arthur Verocai war ohnehin eine geniale Idee.
Sault. Das Dunkel-Projekt. In 2020 mit dem Soundtrack zur Situation. Mit „Nine“ nun auf der Suche nach dem nächsten Halt. Sicher, die Erwartungen waren hoch (wenn überhaupt erwartet wurde, dass diese „Forever Living Originals“ sich ein weiteres Mal im Studio treffen), daher nimmt es kaum wunder, dass die neuen Songs zunächst ein wenig Ratlosigkeit verbreiten – es braucht Zeit für Sault, Zeit, um sich vorurteilsfrei einzulassen, um dann irgendwann festzustellen, dass immer wieder und immer mehr Tonfolgen aufblitzen, die sich festsetzen und Eindruck hinterlassen. Die Projektleitung hat dem interessierten Publikum dafür immerhin 99 Tage Zeit gegeben.
The Fantastics! Mit dem Motto zur Zeit: „Take A Shot“ – dazu gibt es kaum eine Alternative, nicht wahr? Und nachdem der ungemein zupackende Richard Earnshaw Remix für das von Sulene Fleming angeührte Titelstück des Albums zunächst auf eine falsche Fährte locken konnte, sind wir inzwischen klüger. Denn das von Greg Boraman zu verantwortende Konzept der Fantastics! ist an vielfältigen Sound-Fallstricken kaum zu überbieten. „Better Than Dead“ gibt gleich zum Album-Einstieg eine neue Zielrichtung aus – locker eingeschwungenes Jazz-Instrumental, dessen Flöten-Thema ganz tief in die Unverbindlichkeits-Kiste greift – und doch sind’s die gleichen Musiker, die mittels „Take A Shot“ ein paar Monate vorher noch jeden Tanzboden aufgeräumt haben. Weiter mit Jazz und Flöte im flotten „Oblique“-Tempo, um dann die Richtung zu ändern und mit „Say You Will“ einen Soul-mit-Pop-Rock Schieber (mit dabei: Sulene Fleming) aufzulegen, der dann wiederum in die vom brummenden Saxofon angefeuerte Jazz-„Pyramid“ führt. Doch damit nicht genug: „Can’t Decide“ gibt den ganz handfesten Soul-Funk-Rock, in dessen Fahrwasser dann die funkige Rhythm&Blues Aufforderunf „Hey Mister“ folgt. „Taje A Shot“ und alles wird besser.
Joseph Malik. Schotte. Mit verzweigten Wurzeln. Musiker und Aktivist. Seit den frühen 90ern in eigenen Musik-Sachen unterwegs Gestartet mit Blackanized als erste HipHop Formation mit schottischer Basis, dann über Rainer Trüby, Compost Records, weiteren Pausen dann irgendwann bei Jo wallace, Ashley Beedle und Ramrock Records angekommen. Jetzt also der letzte Teil einer als Trilogie angelegten Album-Serie. Texte zur Zeit, pointiert, wahr und und “…a document of our times,” erklärt Joseph. “All I was really doing was looking at our times and saying this is happening right here and right now! I was writing down what was happening around me, and saying this is what I’m feeling.“ Deutliche Worte, beeinflusst auch von Gil Scott-Heron, der ihn einst den „choose your words well“ Ratschlag mit auf den Weg gab. Musikalisch vielschichtig orientiert, eine Singer-Songwriter-Soul Vorstellung mit vielen Aspekten – klare Kante auf scharfer Funk-Rasierklinge und weich gepolsterte Streicher-Passagen mit umherfliegender Trompete und Jazz-Soundtrack-Ausrichtung. Hochprozentig, konzentriert und deutlich.
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